23. Januar 2025

Klingende Heimat (AT)

Köln DE | Alte Feuerwache

20:00 Uhr

Klingende Heimat .1

In welcher Klangwelt leben wir?

Das New2Art Ensemble, bestehend aus den beiden Musikern: Jens Ruland und Judith Wegmann hat in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Philippe Festou ein schweizerisch-französisches Projekt entwickelt, das die musikalischen Traditionen der beiden Länder den heutigen, urbanen Geräuschkulissen gegenüberstellt. Daneben werden deren individuelle und spirituelle Bedeutung sowie die traditionellen Instrumentalklänge hinterfragt: In welchen Klangwelten leben wir heute?

Was bedeuten Stille, Musik, Geräusch für uns, vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Zersiedelung des Naturraums?

Sind Klänge angenehm, oder auch gibt es jene auch die erdrückend auf uns wirken?

Oder gar beängstigend? Welche sind schön und empfinden wir als angenehm?

Aufgenommene Klänge von Märkten, Stadtplätzen oder Naturräumen werden im Konzertprozess instrumental relativiert, um Künstlerin und Künstler und Publikum „ihre Musikalität zu offenbaren“. Das Stück transponiert so ein äußeres und alltägliches Universum in einen gemeinsamen Ort und eine gemeinsame Zeit. Dabei geht es darum, die im Raum verborgene Musik freizulegen und dem Hörenden die Möglichkeit zu geben, in die Atmosphäre des Alltags einzutauchen.

Ausgehend von gleichberechtigt eingesetzten Klängen – seien sie umgebend, instrumental, konkret elektronisch oder als Text – entsteht in dem 50-minütigen Werk ein Wahrnehmungsraum, welcher das Publikum ins Zentrum dieses kreativen Aufführungsprozesses einbezieht: Die Zuhörenden werden von Klängen und Instrumenten räumlich umspielt und gestalten durch ihre Positionierung im Raum aktiv ihr individuelles Hörerlebnis, um hierin neue Arten des Zuhörens zu erfahren, als Teil eines musikalischen Ganzen.

Klangforschung fortsetzen

Im Anschluss an unser letztjähriges Projekt Kon.Takte, das wir unter dem Namen New3Art mit Robert Torche durchführten. Dabei kam ein Programm zur Aufführung, das auf unserer seit Jahren verfolgten Linie der Klangforschung entstanden ist. Die für die elektroakustische Musik wegweisende Komposition „Kontakte“ (1960) von Karlheinz Stockhausen gelang durch unser konzeptuell gestaltetes Programm zu einer neuen Interpretation. Der Schweizer Komponist und Klangkünstler Antoine Chessex (*1980) komponierte für dieses Programm das Auftragswerk „Geschichten der Gewalt“. Im Kontext zu den beiden Werken stand unsere Improvisation – „Spiegelung“. Dieses Programm wurde im vergangenen Jahr für das internationale Label HatHut eingespielt und von SRF-Koproduziert und wird in diesem Jahr veröffentlicht werden.

Unsere Faszination für das gewählte Material ist in der individuellen künstlerischen Entwicklung zu finden. Was uns antreibt, ist die Musik, das Verfolgen einer Linie der Klangsprache. Die Auseinandersetzung mit Raum und Zeit bildet seit Jahren einen zentralen Aspekt unseres musikalischen Schaffens. Wie auch die Verbindung von komponierter Musik und unseren aus dem Moment entworfenen Improvisationen ein Schwerpunkt von unserem Arbeitsschwerpunkt ist.

So möchten wir in der Zusammenarbeit mit dem französischen Komponisten Philippe Festou, Marseille, diesen Kernpunkten weiter nachgehen und unserer Beschäftigung mit Raum und Zeit, Komposition und Improvisation, Geräusch und Klang weiter fortsetzen.

Das Auftrags Werk bezieht sowohl komponierte Teile als auch improvisatorische Elemente und hybride Formen mit ein. Dies ist für uns künstlerisch äusserst interessant, haben wir in der Vergangenheit doch häufig zwischen den Formen (als Kontrast) gewechselt, sind diese nun in einem Werk verwoben und lassen somit viel Raum für aktive Mitgestaltung des Werks seitens der Aufführenden.

Der Berliner Multimedia Künstler, Nicolas Wiese, wird mit uns eine Video Bild Installation entwickeln, die sich thematisch mit unseren Fragestellungen auseinandersetzt. Ergänzend oder auch als Gegensatz. Unser Konzept wird visuell wie auch musikalisch eine Reise, die sich mit der grundsätzlichen Frage auseinandersetzt, was hören wir jetzt? Hören wir überhaupt noch genau hin, wo wir oft von Klängen und Geräuschen umgeben sind. Es ist eine spannende Auseinandersetzung und Fragestellung, die wir uns bewusst stellen, und unsere Gedanken dazu gemeinsam in eine Musik- und Bild Performance verpacken.