Le souffle du temps II - Reflection - Premiere

Biel/Bienne - La Voirie

„Le souffle du temps II – Reflection“

Was ist Zeit, was löst das Thema in mir aus? -

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Zeit- mit allen Facetten die diese Fragestellung beinhaltet, ist allmählich in mir gewachsen. Aus dieser tief greifenden Frage wuchs das Bedürfnis, Gefühle, die diese basale Fragestellung auslösten, musikalisch zu transformieren und interpretieren. Daraus entstand 2017 das Album mit den X (Rétro-) Perspektiven „le souffle du temps“.

Im Arbeitsprozess dieser 2017 erschienenen Aufnahme, präparierte ich sieben Töne, jene erklingenden, glockenartigen Töne, die sich in einer Kontinuität wie ein roter Faden durch die zehn Improvisationen ziehen und somit eine Beständigkeit in den charakterlich doch sehr unterschiedlichen Stücken bilden. Die Stücke habe ich während acht Wochen in Zurückgezogenheit im Atelier entwickelt und auf einem älteren Yamaha Flügel eingespielt, um genau diesen spezifischen Klang zu erzeugen, der nicht ganz rein und klar ist. Dies verleiht den Stücken und der gesamten Atmosphäre eine Fragilität oder auch Zerbrechlichkeit. „Le souffle du temps“ ist eine intime Einspielung, eher subtil mit viel Raum, Ruhe und Tiefe, auf der Suche nach genau diesem Klang, der daraus entstanden ist. Es sind Klangbilder, welche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hörbar machen.

Für diese Einspielung erhielt ich international eine positive Kritik;

Kate Molleson schrieb zu meiner Einspielung im „the guardian“:
“The title translate as „the breath of time“. What i like is how elusive the playing is, meticulous but still indefinable. Characters appear and flit around without any sense of hurry – there’s a grace to the aimlessness... For me the most satisfying moments are when the sounds go deepest, clangiest and most consonant, the moments when Wegmann appears the least precious and the most gutsy.“

Tilman Urbach schrieb darüber im FONOFORUM:
„Morton Feldman ist nicht tot. John Cage auch nicht. Das jedenfalls wispern die Klaviersaiten in Judith Wegmann’s „Le souffle du temps.“ Denn was die Pianistin auf ihrem präparierten Klavier spielt, tönt leicht, wie weggangs entstanden, wie aus dem Moment heraus geboren. Absichtslos und doch von beachtlichem Gewicht. Das wirkt bis in den einzelnen Ton nach, dem Raum gelassen wird und der einen Eigenwert besitzt – das wusste schon Morton Feldman. Diese Musik hat etwas zutiefst Ernstes, aber dieser Ernst erdrückt nicht. Im Gegenteil: Er macht alles leicht wie eine Feder...“

Der schottische Jazz-Kritiker Brian Morton schrieb in den Liner Notes im letzten Satz:
„Make time to listen to this music, as the musician made time to prepare for it. Don’t wedge it into a pile of other CDs clamouring to be heard. Don’t immediately applaud it and move on to the next thing. Play it again. You’ll be playing it for years.

Nach den positiven Kritiken folgten Einladungen zu künstlerischen Residenzen.
In diesem Rahmen werde ich im Mai 2019 in Palermo/IT, am zeitgenössischen Festival, das von der Curva Minore, einer Organisation für zeitgenössisches Musikschaffen organisiert wird, drei Konzerte geben.

Auf Grund dieser Einladung, wollte ich mich weiter mit der Grundidee von „Le souffle du temps“ auseinander setzen und Fragen über das Thema „Zeit“ künstlerisch weiter vertiefen.

In meiner musikalischen Aktivität als Pianistin, Interpretin und Improvisatorin ist es mir ein großes Anliegen, dass zeitgenössische Kompositionen immer wieder einen Platz im Programm finden und aufgeführt werden. Auch sehe ich die Zusammenarbeit mit Komponist/Innen als eine Bereicherung meines eigenen künstlerischen Schaffens an, und der stattfindende Austausch ist stets spannend und eine inspirierende Quelle.

Für die daraus resultierende und nun anstehende Schaffensperiode habe ich sieben Schweizer-Komponisten beauftragt, ein Auftragswerk für mich zu komponieren. Ein Werk, das eine Verbindung zu der aktuellen CD „Le souffle du temps“ herstellt.
So soll ein Stück geschrieben werden, das sich mit der Einspielung auseinandersetzt, sie widerspiegelt, das Grundthema – die „Zeit“ – aufgreift und dadurch die Stimmungen meiner Musik neu verarbeitet und reflektiert werden.

Nun ist es an den beauftragten Komponisten sich zu fragen, was „Zeit“ ist, und wie sie Zeit wahrnehmen, und was diese Fragestellung bei ihnen auslöst. Dadurch und in Dialog mit „le souffle du temps“ soll Musik geschaffen werden, die die Stimmung und Auseinandersetzung vom 2017 erschienen Album aufgreift, verwebt, reflektiert und erweitert.

Mit diesem Solo Programm – „le souffle du temps II – Reflection“, das eine Zwiesprache der sieben komponierten Werken und meinen Improvisationen ist, werde ich ab 9. Februar 2019 auf Tournee sein und die Werke oder eine Auswahl davon werden im Mai 2019 eingespielt und bei HatHut Int. Im Laufe vom Jahr erscheinen.

Premiere Februar 2019 in Biel, danach wird das Programm in der Schweiz und im Ausland aufgeführt.
Einen Eindruck kann man hier direkt über den Link gewinnen:

youtube - le souffle du temps

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den sieben Komponisten:

Edu Haubensak
Kevin Juillerat
Daniel Andres
Luzia von Wyl
Cyrill Lim
Tobias Meier
Hans Koch

die je ein Werk für die anstehende Tournee schreiben.